Beiträge Bürgerverein

Sommerhausen vor 25 Jahren

Recherchiert und geschrieben von Siegbert Fuchs
Nach Aufzeichnungen aus dem Archiv des Bürgervereins
Januar 1995 - April 1995

 

Im letzten Mitteilungsbericht wurde vom Besuch des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog berichtet, welcher mit seiner Gattin Christine, zum ersten Mal besuchte. Das war zweifellos der Höhepunkt des Jahres 1990. Was war sonst noch im Jahre 1995 in Sommerhausen los? Viel, wie alle Jahre vorher und nachher. Kaum ein Ort in dieser Größenordnung bietet so viel wie unsere Marktgemeinde. Bitte haben Sie Verständnis dass ich Ihnen nur einen Teil davon mitteilen kann.

Im Januar, wie alle Jahre vorher, die Jahreshauptversammlungen der Vereine. Beim Historischen Burschenverein ging eine 47jährige Ära zu Ende, so lange war Kaspar Mündlein an vorderster Front. Er und seine Schriftführerin Getrud Baumann, die 27 Jahre dieses Amt ausgeübt hatte, gaben ihren Rücktritt bekannt. Der erst 30jährige Werner Schönig wurde zum ersten Vorstand gewählt. Er übte vorher das Amt des Kassiers aus. Doris Bauer wurde Schriftführerin. Nun üben beide schon 25 Jahre dieses Amt aus.

Die drei Kabarettisten aus dem Spessart Norbert Meidhof (Laufach), Holger Paetz (Aschaffenburg) und Urban Priol (Obernburg) gastierten im Bocksborn.

Am 16.1. wagte sich Urban Priol zum ersten Mal im Sommerhäuser Bockshorn sein abendfüllendes Solo Programm vorzustellen. Vorher trat er immer mit seinem Freund Klaus Staab auf und war mit ihm erstmals Gast im Bockshorn im Jahre 1986. Sie trennten sich im guten Einvernehmen. Urban Priol und Bockshorn-Chef Mathias Repiscus arbeiteten ab Dezember 1989 eng zusammen und schufen gemeinsam das gigantische Gegenwarts-Szenario "Köpfe im Kopf", das wie eine Bombe einschlug und das Publikum im Bockshorn zu Beifallsstürmen hinriss. Eine Woche später begeisterten Holger Paetz mit dem Titel "Ich kann nur Vorspiel" und Norbert Meidhof mit seiner Komik-Kur "Wo geht´s da hin" im Bockshorn.
Wer erinnert sich noch an Gertrud Kerbel. Sie feierte am 25.1. 1995 ihren 95.Geburtstag. Sie wurde in Ostpreußen im Memelland geboren und kam 1948 nach Sommerhausen. Ihre Töchter hießen Hedi und Lotte. Lotte heiratete später den Winzer und späteren Bürgermeister Karl Steinmann, Hedi heiratete den weit bekannten Fußballer und Schiedsrichter Leonhard Weth. Die Jubilarin Gertrud Kerbel wurde vom Bürgermeister Gerhard Oehler und Landtrat Dr.Georg Schreier geehrt, welcher im Namen des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr.Edmund Stoiber die Medaille "Patrona Bavariae" überreichte.

Am 27.Januar lud der Obst-Wein- und Gartenbauverein die Bürgerinnen und Bürger zur Jungweinprobe im Bürgersaal des Rathauses ein. Edgar Schwappach, der pensionierte Präsident der Bayerischen Landesanstalt Veitshöchheim war der Probensprecher. 20 DM kostete der Unkostenbeitrag.

Der Mainausbau erregte die Gemüter. Auf Winterhäuser Seite soll ein Uferstreifen von 1275 Meter Länge und maximal 30 m Breite dem Mainausbau zum Opfer fallen. Auf Sommerhäuser Seite sind 370 Meter lang und bis zu 18 Meter Verlust vorgesehen. In einer Informationsveranstaltung im Winterhäuser Bürgerhaus welches Paul Kraus der Vorsitzende der Ortsgruppe Sommer-und Winterhausen des Bundes Naturschutz organisierte, wurde heftig über den Mainausbau diskutiert. Auf der Mainbrücke wurde eine Transparent von Sommerhäuser- und Winterhäuser Bürgern mit der Aufschrift: " Main Maß ist voll! Bis hierher und nicht breiter". Was nutzten all die vielen Bürgerproteste, der Main wurde trotzdem ausgebaut. Die Politik ist nun mal stärker als des Volkes Stimme.

Ende Januar und Anfang Februar stieg das Hochwasser am Main. Sommerhausen kam glimpflich davon. Gewiss der Anker war schwer betroffen, sowie die Häuser im unteren Ortsviertel. Da standen die Keller unter Wasser. Doch in Wertheim und Miltenberg war es wesentlich schlimmer. Den Höchstand erreichte der Pegel in Miltenberg mit 6,23 Metern.

Urkunden tauschten die Reservistenkameradschaft Sommerhausen und das 38th Personal Service Bataillon Giebnelstadt aus. Zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens nahmen an den Feierstunden im historischen Rathaus teil.

Erinnerung an den 20.Todestag von Luigi Malipiero. In einer Feierstunde erinnerte man sich im Bürgersaal des Rathauses an den vor 20 Jahren verstorbenen Gründer des Torturmtheaters und Sommerhäuser Ehrenbürgers. Das Weingut Ernst Gebhardt kredenzte einen nach dem Künstler benannten Qualitätsperlwein "Luigi".

Gedenkgottesdienst am 22.Februar in der Bartholomäuskirche zum 50.Jahrestag der Zerstörung der Sommerhäuser Mainbrücke.

Dank an die Feuerwehr. Die Anwohner bedankten sich bei der Feuerwehr für ihre Unterstützung am Absaugen des Hochwassers an und in ihren Häusern. Die Dankesschreiben wurden bei der Gemeinderatssitzung vorgelesen.

Kaspar Wagner wurde am 5.März 90 Jahre alt. Die Enkel und Urenkel veröffentlichten ihn zu Ehren ein schönes Gedicht. ( In der Chronik nachzulesen).

Trotz Werbung durch die Gemeinde sind seit Jahren immer weniger Besucher zu den Markttagen gekommen. Das soll ab 1996 anders werden. Auf Anfrage beschloss der Gemeinderat, die drei Markttage vom jeweils zweiten Sonntag im Mai, Auguist vund Oktober auf die vorhergehenden Samstage zu verlegen.

Hommage für die unvergessliche Scherenschnittkünstlerin Irmingard von Freyberg, welche am 29.3. 1985 verstarb. Veit Relin las Goethes "Novelle", das letzte Prosawerk des großen deutschen Dichters. Das stimmungsvolle Scherenschnittbühnenbild von Irmingard von Freyberg diente für die Lesung als bezaubernde Kulisse.

Im Bockshorn begeisterte das Kölner Urgestein Heinrich Pachl mit seinem Programm "Nicht zu fassen" das Publikum.

Erst 26 Jahre alt und schon sanierungsbedürftig. Die Sommerhäuser Brücke wurde saniert. Um ihre Spannkraft wieder herzustellen, wurden schwere Stahlseile eingesetzt. Außerdem erhielt die südliche Fahrbahnhälfte der Brücke eine neue Dichtung. Sechs Millionen Mark soll die Sanierung kosten.

Am 26.März lud der Bürgerverein im Gemeindezentrum zum traditionellen Familiennachmittag ein. Wolfgang Ruprecht trug Mundartgedichte vor und die Ballettschule Rau zeigte mit schönen Tanzeinlagen ihr Können.

Eine Marktlücke in Sommerhausen haben Waldemar Schönig mit Familie geschlossen. Sie eröffneten ihr Marktcafe in der Maingasse.

Wilhelmina (Mina) Seubert, feierte ihren 80.Geburtstag am 17.April. Am gleichen Tag feierte der ehemalige Vorstand des Bürgervereins, Karl Stolz, seinen 70.Geburtstag.

Artur Steinmann lud zu einer besonderen Weinprobe ein. Da gab es verschiedene Käsesorten welche zu den bestimmten Weinen passen. Ein Versuch, der die anwesenden Genießer überzeugte.

Fünf Mitglieder der Feuerwehr Sommerhausen bestanden die Prüfung für die höchste Stufe des Leistungsabzeichens im Feuerwehrwesen erfolgreich (Leistungsstufe III/5 gold-rot. Die Namen der bestandenen Prüflinge: Gerhard Oehler, Michael Bergmann, Helmut Schwarz, Hans Fertinger und Hans Dusel. Damit haben von den 52 Feuerwehrleuten rund die Hälfte ein Leistungsabzeichen erworben. Zur Kenntnis: Die Kommandanten im Jahre 1995 waren Richard Amend (1) und Karl Zesewitz (2).

Viel zu jung im Alter von 45 Jahren verstarb Wolfgang Werther an den Folgen eines Herzinfarktes.

Kabarettist Volker Pispers gastierte im Bockshorn. In seinem Programm "Frisch gestrichen" griff er gravierende Alltagsprobleme auf. Ende April stellte der Münchner Kabarettist Günter Grünwald sein neues Programm im Bockshorn vor. Sommerhausen zieht immer mehr berühmte Kabarettisten, dank Matthias Rebiskus, an.

Nicht vergessen die Inszenierungen im Torturmtheater. Ganz anspruchsvoll war das Stück von Lis Verhoeven "Oleanna". Da wurde das Thema Umgang mit der Macht in drei Szenen eindrucksvoll dargestellt. Es berührte das Publikum sehr, ging es auch um eine Demotage des Glaubens an Werte und Worte wie Freiheit und Chancengleichheit.

Verkehrsproblematik in Sommerhausen. Nicht nur jetzt im Jahre 2020, schon im April 1995 befasste sich der Gemeinderat eingehend mit diesem heiklen Thema und konnte trotz aller Bemühungen diese Problematik nicht lösen. Bürgermeister Gerhard Oehler und der Marktgemeinderat tüftelten ein Schreiben aus, welches an die Windschutzscheiben der Falschparker gehängt wurden. Darauf stand: "Bitte haben sie Verständnis dafür, dass das Ortsbild von Sommerhausen durch besondere verkehrsregelnde Maßnahmen vor einer Überflutung durch den ruhenden Verkehr geschützt werden muss". Der rosarote Zettel informierte die Falschparker auch darüber, dass sie angezeigt werden. Trotzdem war die Hauptstraße weiter regelmäßig mit Fahrzeugen zugestellt. Das ist leider heute noch so. Bürgermeister Gerhard Oehler war damals sehr verärgert über die Verhaltensweisen von Autofahrern, welche sich regelmäßig an Hofeinfahrten und an der Bushaltestelle hinstellen Da die Polizei nur selten den ruhenden Verkehr kontrollierte, wurde im Rathaus an andere Lösungen gedacht. So sorgte in Zukunft eine kommunale Parküberwachung dafür, dass die Verkehrs- und Parkprobleme in Sommerhausen endlich gelöst werden können. Doch selbst Ordnungs- und Strafanzeigen nutzten wenig. Und jetzt nach fast 25 Jahren kommunaler Parküberwachung ist es immer noch nicht besser geworden. Wir wissen alle, dass es an der Disziplinlosigkeit, an dem Egoismus und Starrsinn vieler Autofahrer liegt. Der neue Gemeinderat wird sich diesem leidlichen Thema erneut annehmen.

In Amt und Würde gemeinsam 25 Jahre

Werner Schönig
25 Jahre 1. Vorsitzender des Historischen Burschenvereins
ebenso
Doris Bauer
25 Jahre Schriftführerin

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