Beiträge Bürgerverein

Beiträge Bürgerverein Sommerhausen


Ehrenämter sind so wichtiger denn je

Siegbert Fuchs
Mai 2020

 

Wir haben jetzt viel Zeit uns zu erinnern. Wir vom Bürgerverein haben so viel gesammelt, was in Sommerhausen in den letzten 50 Jahren geschehen ist. Das sind zurzeit 132 Ordner mit vielen schriftlichen Aufzeichnungen, Fotos und über 600 selbst verfasste Biografien, Geschichten und Gedichte über Bürgerinnen- und Bürger und weitere Geschehnisse, welche ich als Schriftführer seit 1996, geschrieben, angelegt und archiviert habe. Das bitte alles ehrenamtlich. Ansprüche habe ich noch nie gestellt.

Doch ohne die Hilfe vieler, die uns das Material zur Verfügung stellten, wäre das nicht möglich gewesen. Da gilt der besondere Dank an Michael Bergmann, Helmut Schönbuchner, Karl Liebing und Karl Zesewitz. Daraus etwas zu gestalten, war meine Aufgabe.

In unserer schnelllebigen Zeit ging vieles unter, was Menschen im Stillen bewegt haben. Es sind so viele Mosaiksteine, die viele nicht sehen. Alles schien so selbstverständlich. Mal gab es ein kleines Lob, na der kann das halt. Doch es fielen auch Worte, der will sich wichtig machen, der will immer vorne stehen, der will damit angeben. Diese Unterstellungen tun weh. Jeder der ein Ehrenamt bekleidet, hörte diese weniger schönen Worte schon. Meistens hinten herum.

Ohne Ehrenämter würden wir in Deutschland ganz alt aussehen, auch in Sommerhausen. Wir sind in unserem Marktflecken mit Ehrenämtern sehr gut aufgestellt, sonst hätten wir in der Vergangenheit nicht so viele Veranstaltungen gestemmt. Da gehören die Mitglieder des Gemeinderats als oberster politischer Verbund an erster Stelle, welche für unseren Ort Verantwortung tragen.

Bemerkenswert fair ging die Wahl über die Bühne. Es war ein wunderbares Bild, wie Wilfried Saak und Stefan Diroll, unsere beiden Bürgermeisterkandidaten bei unseren Bürgernachmittag am 8.3. harmonisch zusammen saßen. Das war früher anders, als im Vorfeld der Wahlen nicht gerade angenehme Worte fielen.

Warum das so anders wurde, ist ein Verdienst der Leute die jetzt im Gemeinderat sind. Gemeinsam haben sie Großartiges geschafft. Kirche und Rathaus wurden saniert, das Miltenberger Haus erworben, eine tolle Großveranstaltung wurde organsiert und vieles , vieles mehr. Die Vereine halfen alle bei dieser Veranstaltung großartig mit. Das zeigt, wie gesund unser Innenleben in Sommerhausen ist. Es wäre alles noch schöner, wenn der verflixte Neid nicht immer wieder mal von außen durchdringt. Der kommt dann zum Tragen, wenn einige der Verantwortlichen in die Offensive gehen und vorne wegmarschieren. Wieder kommt die Kritik, der will sich wichtig tun. Wenn es dem Gemeinsinn dient, brauchen wir doch diese Anführer und dominante Figuren.

Der vorne steht, ist unser Bürgermeister. Und da sollten wir unseren Fritz Steinmann, der nach drei Amtsperioden sich politisch zurückgezogen hat, ein großes Lob zollen. Wie er sich mit viel Herzblut engagiert hat, wie er Tag und Nacht für die Gemeinde arbeitete, das verdient hohes Lob. Fritz, ein einfach gestrickter Mensch, nicht ohne Fehl und Tadel, löste seine Aufgaben nicht spektakulär, sondern mit schlichtem Gedankengut, gepaart mit seinen erworbenen langjährigen Wissen und Erfahrungsschatz. Solche Menschen wie unser Fritz, wurden und werden oft unterschätzt. Intellektuelle Menschen konnten da manchmal nicht folgen, weil ihnen die Basis fehlt, sich in dörfliche Empfindungen zu versetzen. Wir Sommerhäuser waren den Fritz nie böse, wenn er sich gelegentlich mal versprach. Seine legendären Versprechungen gehen in unsere Dorfgeschichte ein. Fritz hat viel Humor und einen Schuss Bauernschläue, so war sein Vater Karl auch. Er konnte sich durchsetzen in einer einmaligen Art. Ich handele immer zum Wohle von Sommerhausen, das waren die Wort von Fritz Steinmann. Dem stimmen wir zu. Dass ihn auch gelegentlich Fehler passierten. Mein Gott, die gehören dazu, sonst hätten wir ja nichts auszusetzen. Was für ihn ganz wichtig war, einen intakten Gemeinderat hinter sich zu haben. Gewiss gab es immer wieder mal Auseinandersetzungen, die jedoch immer auf sachlicher Ebene ausgetragen wurden, wenn es auch so mancher Sitzungsbesucher anders sah. Produktives Streiten gehört unbedingt dazu.

Mit Beate Betschler, Pauline Steinmann, Stefan Oehler und Reinhold Schwarz haben wir neue Kräfte, die dem Gemeinderat gut tun. Der erfahrene Karl Wenninger ist wieder an der Front, desweiteren wieder Stefan Diroll, Birgit Gunreben, Elisabeth Balk, Stefan Furkel, Thomas Bidner, Wilfried Wagner, Markus Schwarz. Eine gute Mischung, zwischen jung und alt. Die knapp auf der Strecke geblieben sind, sollten nicht traurig sein. Sie haben alles gegeben. Alle weiteren die auf dem Wahlschein standen, haben angedeutet, dass Gemeindepolitik für sie sehr wichtig ist. Auch ein Listenkandidat, der an letzter Stelle sich aufstellen ließ, verdient unsere Anerkennung. Noch nie gab es so viele Kandidaten auf den drei Listen. Nicht vergessen sollten wir Günter Hassold, der sich nicht mehr aufstellen ließ und viel für die Gemeinde in den drei Legislaturperioden leistete. Er wird, wie Bernd Geisendörfer und Helmut Schwarz, die nur kurz im Gemeinderat waren und leider nicht wiedergewählt wurden, in den verschiedenen Ehrenämtern der Sommerhäuser Vereinen weiterhin tätig sein.

Wilfried Saak wurde unser neuer Bürgermeister. Zum ersten Mal in der Geschichte von Sommerhausen, ein Nicht-Sommerhäuser. Doch wer den Willi näher kennt, weiß, dass er ein kompetenter Nachfolger für Fritz Steinmann ist. Er kann Menschen führen, er ist intelligent, sympathisch und tolerant. Stefan Diroll, der es nicht als Bürgermeister schaffte, wird nach der ersten Enttäuschung wieder nach vorne schauen und sich, so kennen wir den fleißigen Stefan, wieder voll für die Gemeinde und ihre Menschen engagieren.

Die Ehrenämter bleiben auch in der Corona-Pandemie ein ganz wichtiges Fundament für unser Sommerhausen, wenn auch in diesem Jahr wahrscheinlich alle Veranstaltungen ausfallen werden. Das soll uns alle noch mehr zusammenschweißen und wir sollten den bedrohten Vereinen helfen, selbstverständlich auch unsere heimischen Betriebe und die kirchliche Gemeinde. Nicht zu vergessen einsame Mitmenschen, die unserer Hilfe bedürfen.

 

Bleiben Sie alle gesund.

Euer Siegbert Fuchs

 

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WORTE ZUR JETZIGEN ZEIT – MEINE GEDANKEN –

von Siegbert Fuchs, 1.Vorsitzender Bürgerverein und Nachtwächter von Sommerhausen
April 2020

 

In dieser von der Corona-Pandemie verunsicherten Zeit sind so viele andere Themenbereiche tabu. Wir hören und sehen Tag für Tag nur Schreckensberichte. Da kauern nun viele Menschen daran, sind geschockt und verunsichert. Die Existenz von ganz vielen Menschen ist auf einmal stark bedroht. Warten wir ab, es bleibt uns nichts anderes übrig, wann diese Pandemie überwunden werden wird.

Die Veranstaltungen der heimischen Vereine wurden bis auf weiteres abgesagt.

Wenn wir jetzt durch Sommerhausen gehen, so stellen wir fest, wie unser sonst so lebendiges Dorf auf einmal unheimlich still ist, in den Abendstunden sogar gespenstisch. Jedes Jahr um diese Zeit kamen schon die ersten Touristen und genossen in den Wirtshäusern den Sommerhäuser Wein, besuchten das Torturmtheater oder andere Veranstaltungen. Auch Einheimische sehen wir kaum. Draußen in der Natur begegnen wir gelegentlich Menschen, welche sich an dem dezenten Grün und den blühenden Frühlingsblumen und dem lustigen Vogelgezwitscher erfreuen. Ein kurzer Gruß im gewissen Abstand, das war´s und jeder geht seinen Weg weiter, so wie es Hermann Hesse in einem seiner Gedichte zitierte. Wer hätte das noch vor einem Monat gedacht, dass wir mal so eingeschränkt werden.

Wenn wir nach Italien, Spanien, England und USA schauen, so geht es uns wirklich gut, ganz besonders hier auf dem Lande, wo die Menschen nicht so eingeschränkt wie in den Städten wohnen, wo viele nicht mal einen Balkon haben. Noch schlimmer ist die Situation in unterentwickelten, armen Ländern, deren Gesundheitssystem miserabel ist und auch nicht besser wird.


Blicken wir trotzdem nach vorne, wenn wir auch wissen, dass unsere Welt eine andere in Zukunft sein wird. Die stetig fortschreitende Globalisierung hat unser Weltgefüge ins Schwanken gebracht. Produkte aus unserem Land, aus der näheren Umgebung, oder aus EU-Ländern und anderen Ländern aus Europa sollten wir nach der Krise wieder mehr bevorzugen. Deutsche Konzerne und Firmen sollten den Mut haben, wieder mehr Produkte in Deutschland und in europäischen Ländern herstellen zu lassen, als aus asiatischen und überseeischen Ländern.

Wir werden oft mit minderwertigen Billigartikeln überhäuft. Textilien sind stark mit Pestiziden belastet. Aus meinen Erfahrungen beim Zoll habe ich das bei Textileinfuhren in meiner Zeit in Aschaffenburg erlebt. Daran hat sich heute wohl noch nichts geändert. Auch bei kritischen Einfuhren von Lebensmittel, Südfrüchten und Pflanzen aller Art, sollte man den Zoll mehr Handlungsraum gewähren.

Die Landwirte und Winzer in unserem Land bekommen wegen Spritzmittel hohe Auflagen, während in den meisten Ländern Gesetzgebungen nicht befolgt werden.

Ich habe es selbst erlebt, wie auf den Baumwollfeldern in der Zentraltürkei unweit von Denizli eine Unmenge von Pestiziden gespritzt wird. In den asiatischen Ländern wird es nicht anders sein. Diese hochgiftigen Bekleidungsstücke lagern in unseren Geschäften. Man spürt diesen Giftgeruch in den Billigläden. Es stehen immer wieder Konzerne dahinter, die am meisten von diesen Transaktionen verdienen, denen liegt doch nichts an der Volksgesundheit. Unverständlich auch, dass ein Großteil der pharmazeutischen Produkte in China oder Indien hergestellt werden und zum Teil verunreinigt sind. Diese Missstände stellten Experten fest.

Die hohe Politik weiß davon, unternimmt aber nichts, weil sie keinen Mut haben, gegen die Konzerne vorzugehen, siehe auch in der Auto-Industrie. Da geht es nicht um die tausende von Mitarbeiter, die ehrlich und sauber arbeiten, sondern um einzelne hoch bezahlte Menschen, die ihren Konzern, durch ihr vertuschen von Fehlern, unglaublich schädigten. Warum werden diese nur profitorientierten Menschen nicht zur Rechenschaft gezogen.

Ich erinnere mich an Postabfertigungen, da öffneten wir auch Pakete aus Fernost, welche nie abgeholt wurden. Da flogen manchmal für uns unbekannte Insekten aus den geöffneten Paketen heraus, die wir töteten, sonst wären sie in unseren Kreislauf gekommen.

Auch bei Tier, Fleisch und Pflanzeneinfuhren war ich oft dabei. Was ich da erlebte, würde noch einige Seiten füllen. Ein Wunder, dass wir uns nicht angesteckt haben.

In dieser sich nah gerückten Welt kommen, das lässt sich nicht vermeiden, Viren und Bakterien zu uns, die wir vorher nicht kannten. Gegenmittel zu finden, diese zu eliminieren, uns alle auf Dauer zu schützen, ist trotz unseres großen Fortschritts in der Forschung und in der Medizin nicht einfach und braucht viel Zeit, wie jetzt mit dem Virus Covid-19, den wir unter den schönen Namen „Corona“ kennen. Jeden Tag werden wir im Fernsehen stundenlang damit konfrontiert.

Wir werden Dank der großartigen Arbeit der Virologen wieder Licht im Dunkeln sehen und so hoffen wir alle unseren normalen Alltag wieder bewältigen zu können. Doch diese Pandemie, die weltweit unterwegs ist, hinterlässt auf jeden Fall viele negative Spuren. Doch auch, das ist unsere Hoffnung, ungeahnte Möglichkeiten, was das menschliche Miteinander betrifft. Bescheidenheit, Dankbarkeit, Mitgefühl, Demut, diese schönen, menschlichen Tugenden, sollten wieder mehr gepflegt werden.


Thema Waffenhandel: Auf höchster Ebene sollten sich bestimmte Machthaber der Welt endlich Gedanken machen, dass Kriege nie eine Lösung sind. Statt Waffen sollten sinnvolle Geräte und Maschinen hergestellt werden. Doch das wird, das wissen wir alle, ein Wunschtraum bleiben. Denn auch nach Corona, wird es leider wieder Kriege geben, denn bestimmte Konzerne, da gehört die Waffenindustrie dazu, sie verdienen daran viel Geld. Es wird immer wieder Machthaber und Despoten geben, die Krisengebiete, als mögliche Schauplätze für die kommenden Kriege ausspähen.

Auch bei Waffenexporte, die viel in arabische Länder gingen, war ich oft live am Stuttgarter Flughafen dabei. Eingeladen wurden die Waffen nie am Tag, sondern in der späten Nacht, Die Bediensteten des Flughafens, außer der Flugsicherung, sowie die Bevölkerung dürfen ja davon nichts mitbekommen. Eigentlich ist nachts Start- und Landeverbot, doch für solche Zwecke, wird das Start- und Landeverbot sogar aufgehoben.

Wir vom Zoll wurden erst wenige Stunden vorher im Nachtdienst darüber informiert. Der Nachtdienst bestand damals aus einer Person. Mir war es ziemlich mulmig als ich mit dem Dienstauto zum Flugzeug fuhr und dort vor dem arabischen Flugzeug zwei uniformierte Araber mit Schnellfeuerwaffen sah, die mich misstrauisch beäugten. Ein Vertreter der Waffenfirma übergab mir die Ausfuhrpapiere, welche alle schon ausgefüllt waren und vom Bundesamt abgezeichnet waren. Das erste Mal war das für mich ein ungutes Gefühl, ich hatte Schweißperlen auf dem Kopf. Die Verladung erfolgte sehr schnell und danach ging ich ins Flugzeug, um die Papiere der Crew zu überreichen. Als ich das arabische Flugzeug betrat, war ich fast von Sinnen. Dieser Prunk im Flugzeug. Außergewöhnliche teure, Teppiche lagen am Boden, die Sitze mit Samt ausgestattet, in der Toilette sah ich Wasserhähne aus Gold. Arabische Musik erklang aus den Lautsprechern. Die gesamte Crew war nett, nur den zivil angezogenen Mann, mit dunkler Brille und finsteren Blick, empfand ich angsteinflößend. Der war mir nicht geheuer, bestimmt war das der Waffenhändler. Ich war froh das Flugzeug wieder verlassen zu können und als ich mit dem Dienstauto wegfuhr, die Tür zum Transitraum aufschloss und einen Stock höher in unserem Büro war, fiel mir ein Stein von Herzen. Die ganze Nacht beschäftigte mich dieses Ereignis. Als ich den älteren Kollegen diese Geschichte am übernächsten Tag erzählte, meinten sie, so ging es ihnen auch, als sie das erste Mal damit konfrontiert wurden.

Bei den nächsten Waffenabfertigungen einige Monate später, wieder in der Nachtschicht, war ich wesentlich entspannter. Doch dieses Thema der Waffenexporte beschäftigte uns Zollbeamte immer wieder, auch deshalb, weil laut dem Außenwirtschaftsgesetz, Waffen zu Kriegszwecken ausfuhr-verboten sind. Ein Kollege ließ sich versetzen, weil er das mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren konnte. Dass diese Waffenlieferungen von deutscher Seite weiterhin stattfinden, liegt auch daran, weil wir als wichtiges Natomitglied, zumindest indirekt immer an alle Kriegsgeschehnisse teilhaben werden. So wird, dass wissen wir alle, unsere Bundeswehr auch in Zukunft immer in Kriegsgebieten präsent sein. Als Schutzschild sozusagen. Das sei notwendig, so die Meinung, der Wehrexperten, sonst würde der Frieden in der Welt gefährdet sein. Gefahren abzuwenden, ist schon richtig, doch um welchen Preis?

Ich kenne einen jungen Mann, der war zweimal ein halbes Jahr in Afghanistan. Sein inneres Wesen ist zerstört, er ist nur noch ein Schatten selbst. Er erzählte nur wenig, doch was er erzählte, reichte schon. Da gibt es leider Leute, die sagen, er sei doch selbst schuld, warum hat er sich freiwillig gemeldet?

Der Export mit den Waffen ist ein Thema, welches wir vom Zoll, immer wieder auf Lehrgängen eifrig diskutiert haben.

Unser Chef, ein echter Schwabe sagte einmal: Leute seht es gelassener, wir müssen halt diese Art von Geschäften tolerieren und vorsichtig damit umgehen.

Wenn es um das große Geld geht, greifen manche Gesetze nicht mehr. Der Ermessensspielraum kann sehr groß sein.

Warum aber, ändert man bestimmte Gesetze nicht? Wir beim Zoll waren oft ratlos und hilflos. Richtiges Handeln wurde sogar in Frage gestellt.

Auf Gerichtsverhandlungen habe ich dieses Dilemma schon erlebt. Gottseidank waren wir gut vorbereitet, sonst hätte mancher, der wissentlich unseren Staat betrogen hat, sogar recht bekommen, weil dieser einen Staranwalt sich leisten konnte. Diese Erfahrungen musste ich lernen. Mein Gott, was war ich unbedarft und naiv, als ich als junger Mensch zum Flughafen kam.

Nun gab es in meiner 11jährigen Zeit am Stuttgarter Flughafen auch viele schöne Erlebnisse, die unvergessen bleiben. Ich lernte wunderbare Menschen kennen und nicht wenige. Da waren viele dabei, die schon meiner Einladung nach Sommerhausen folgten. Sie sind alle von unseren so schönen Sommerhausen begeistert und kommen immer wieder gerne, genießen unseren vorzüglichen Frankenwein, den sie auch, wie unseren sehr guten Essig in ihre Heimat gerne mitnehmen.


Wir in Sommerhausen, ja in ganz Franken, leben in einem schönen und glücklichen Umfeld, auch jetzt in der Corona-Pandemie und auch danach. In Zukunft sollten wir noch mehr zusammenrücken und unseren Gemeinsinn weiter pflegen. Denn gemeinsam sind wir stark. Die Vereine, das haben wir beim Sommerhäuser Festival im letzten Sommer und bei vielen anderen Veranstaltungen bewiesen, sind intakt. Gewisse Differenzen wird es immer geben, doch darüber sollten wir sprechen und diskutieren. Nur mit Offenheit und Toleranz, die Meinung der anderen zu respektieren, kommen wir weiter. Sturheit blockiert. Die jungen Leute zu motivieren und aufzubauen, wie es die Feuerwehr vorbildlich macht, sind zukunftsweisend. Wir Älteren sollten stets Vorbilder sein.

Mit Großveranstaltungen, wie unsere Weinfeste, wird es wohl in diesem Jahr nichts mehr werden. Vielleicht sollten die Vereine sich Gedanken machen, wie Weinfeste in Zukunft ausschauen könnten. In einem gemütlichen kleineren Rahmen und dezenter Musik, so dass sich auch jeder mit anderen unterhalten kann. Immer gibt es Möglichkeiten. Starr an vergangenem festzuhalten, ist keine Lösung. Dass Vereine, gerade die TSG, das Geld für Veranstaltungen dringend brauchen, wissen wir alle.


Der neu gewählte Gemeinderat ist bestens aufgestellt. Junge frische Kräfte kamen dazu, sie werden bereichernd für die Kommunalpolitik sein. Dem neuen Bürgermeister Wilfried Saak und den Gemeinderäten sollten die Bürger von Sommerhausen unbedingt ihr Vertrauen schenken, wie auch den vielen ehrenamtlichen Helfern. Auch unsere lieben Pfarrersleut, Irene und Jochen Maier, schenken wir unser Vertrauen. Wir haben doch uns sehr gefreut, dass sie nach Sommerhausen zurück gekehrt sind.


Der Glaube ist in unserer prekären Situation sehr wichtig. Beim Abendleuten das „Vater Unser zu beten“ eine Kerze anzuzünden, diese Empfehlung von Pfarrer Jochen Maier, sollten wir bitte annehmen. Wenn nicht, dann wenigstens im Stillen ein kurzes Gebet beten.


Ein großes Kompliment und Dankeschön den Ärzten, den Apothekern und ihren Mitarbeitern, den Krankenschwestern, den Pfleger- und Pflegerinnen, den Sanitätskräften, dem Helfern des Technischen Hilfsdienstes und diejenigen, die für unsere Versorgung unterwegs sind. Dazu zählen wir auch die vielen Menschen, überwiegend Frauen, die an den Kassen der Supermärkte sitzen. Wir denken auch an die vielen anderen Menschen, welche für unser Wohl arbeiten und viele Überstunden in Kauf nehmen. Was all diese Menschen in dieser so schlimmen Zeit leisten, ist großartig.


Ein ganz wichtiges Thema, welches wir im Laufe unseres aufstrebenden Wohlstands lange ignoriert haben und jetzt mehr darüber wissen, ist die Klimaveränderung, die wir Menschen zu verantworten haben. Weltweit veränderte sich die Umwelt, durch Massentierhaltung, Waldrodungen, Monokulturen und viele mehr. Diese massiven Veränderungen tragen dazu bei, dass wir Menschen in Zukunft immer häufiger Virenangriffen ausgesetzt werden, welche Krankheiten auslösen und am Ende tödlich sein können. Das behaupten Experten. Diese Prognosen teilten sie schon vor vielen Jahren den regierenden Politikern mit. Doch diese ignorierten ihre Kenntnisse und ihre Weitsicht. Jetzt sind die Politiker dankbar, dass sie in ihrem unmittelbaren Arbeitskreis, diese kompetenten Leute um sich haben, welche uns aufklären und uns tagtäglich über den Stand der Pandemie berichten.

 

Wir Menschen neigen leider dazu, Unangenehmes zu verdrängen. Wir hören lieber, es geht uns doch gut. Wir verkannten Hilferufe oder Symptome, die uns betrafen. Wir sind überheblich und leichtsinnig geworden, weil es uns eben gut ging. Wir lebten mit unserer so heiteren Gesinnung und unserem sicheren Einkommen, wie die Made im Speck. Wir haben gerne leidenschaftlich gefeiert. Nun ist es anders geworden. Die nachfolgende Generation wird uns später böse sein, weil wir so viel außer acht gelassen haben. Denken wir zurück, wie mühselig nach dem zweiten Weltkrieg unsere Vorfahren durch ihren Fleiß, durch ihr Wissen, wieder eine Existenz aufgebaut und fürsorglich ihre Kinder erzogen haben. Zu dieser Generation gehören wir, die jetzt Älteren. Leider haben wir und die jetzigen jungen Erwachsenen versäumt, unseren Kindern ganz wichtige Werte weiter zu geben, damit meine ich, die ethischen und religiösen Werte. Das lag daran, weil wir mehr das Materielle vordergründig sahen. Unsere Denkweise war und ist, wie kann ich meinen Kindern oder Enkelkindern helfen, dass sie uns lieben. Wir finanzieren zuerst den Führerschein, dann das Auto und dann bekommen sie unser Haus, dazu noch unser mühsam erspartes Geld. Wir warten auf das große Dankeschön und sind dann sehr enttäuscht, dass diese Wertschätzung nicht zurück kommt.

Irgendetwas machten wir falsch. Wir haben ganz einfach an die vielen kleinen lebenswerten Dinge nicht gedacht und waren wie fast alle Menschen in der westlichen Welt, dem Konsumrausch erlegen und so lernten unsere Kinder und Enkel, das gleiche wie wir.

Die Bücher „Haben oder Sein“ von Erich Fromm, oder „Die Kunst kein Egoist zu sein, von David Richard Precht, sollten in den Schulen im Ethikunterricht Einlass finden. Sehr Empfehlenswert auch für Erwachsene.

Gewiss gibt es nicht wenige Kinder, die das Erbe der Eltern zu schätzen wissen. Es ist auch richtig, den Kindern unser Erbe zu hinterlassen, denn sie gehören zu unseren Fleisch und Blut. Bei diesen dankbaren Kindern spüren wir die gute Erziehung und die Handschrift der Eltern.


Wie es nun wirklich weiter geht, weiß keiner so recht. Wir müssen auf jeden Fall Abstriche machen. Die vielen Großveranstaltungen in unserem Land werden eine Zeit lang, weniger werden. Diese Massenhistorie in Fußballstadien und bei Openair- Veranstaltungen, dazu die übertriebenen Huldigungen für Stars im Sport, speziell im Fußball, auch in der Musikbranche, war mit Verlaub, nicht normal.


Auch das Überangebot von Waren aller Art in den Supermärkten ist überzogen. Was brauchen wir z.B. Avocados von unterentwickelten Ländern, die auf großen Plantagen angebaut werden und viel Wasser brauchen, Wasser, das der Bevölkerung fehlt. Diese armen Menschen kommen dann zu uns als Asylanten. Sie würden in ihrem Land bleiben, wenn sie ihre Grundstücke, welche man ihnen weg nahm, wieder selbst kultivieren könnten. Es gibt wenige Ausnahmen, wo die Entwicklungshilfe half, dass ein Teil dieser Menschen vor Ort wieder ihre Felder bestellen konnten und damit ihre Familie wieder ernähren können.


Wir haben uns permanent zu einer Abfall- und Plastiknation entwickelt. Dieses Problem hat man zumindest schon erkannt und Ideen entwickelt, davon abzukommen. Die Konzerne bestimmen unser Land, nicht die Politik. Der Staat hat im Laufe der Jahrzehnte zu viel abgegeben, wie die Bahn und das Postwesen, dazu wurden viele wertvolle Immobilien, billigst an Spekulanten verkauft. Sogar Kulturgüter wurden an asiatischen Staaten verhökert.


Nächstes Thema: Die Billigangebote der unzähligen Flugreisen in nahen und fernen Ländern. Sie sollten unbedingt in Zukunft reduziert werden. Gewiss würde das für viele Flugunternehmen, wie Ryanair, das Aus bedeuten. Doch die früher etablierten Flugunternehmen Europas, wie auch unsere Lufthansa, würden auf Dauer wieder erfolgreicher sein. Sie sollte, wie früher zum Teil wieder verstaatlicht werden. Es darf nicht sein, dass Piloten und das sonstige Flugpersonal nur Zeitverträge bekommen. Das verunsichert doch nur diese Menschen

Der Himmel wimmelte nur so von Flugzeugen. Jedes Jahr diese enorme Steigerung an Start- und Landungen. Das kann doch auf Dauer nicht gut sein und schadet auf Dauer unsere Umwelt sehr. Da gehören auch die Luxuskreuzfahrtschiffe dazu, welche die Umwelt ebenso verpesten.


Auch das Geschehen auf den Straßen, insbesondere auf den Autobahnen, steht vor dem Kollaps. Wie kann es sein, dass auf unseren stark frequentierten Autobahnen immer noch nicht Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt wurden. Warum kann sich die Politik gegen die mächtige Autolobby nicht durchsetzen. Es geht doch um die Sicherheit der Menschen. Jeder Tode und jeder Verletzte ist zu viel. Die Autolobby denkt aber anders. Defekte Autos muss es unbedingt geben, damit wieder neue Autos produziert werden. An die toten Menschen denken die Automanager nicht und auch nicht an die Schwerverletzten, welche nicht mehr arbeiten können und wo möglich bis zu ihrem Lebensende gepflegt werden müssen.

Thema: Pflege. Es darf und kann nicht sein, dass Menschen welche Pflegeberufe ausüben, so schlecht bezahlt werden, während bestimmte Zeitgenossen, den Staat mehr ausnützen, als nützen, und durch Tricks und Machenschaften schnell zu viel Geld kommen.

Mir tun die vielen Mittel- und Kleinbetriebe leid, die aufopferungsvoll ihren Betrieb aufgebaut haben, treu und brav die Steuern zahlen und Sorge für ihre Angestellten tragen. Der von der Regierung in der Krise zugewiesene Betrag für die Mittel- und Kleinbetriebe hilft zumindest, eine kurze Periode finanziell durchzuhalten. Wir denken auch an die vielen Arbeitslosen, die es schwer haben werden, wieder unterzukommen. Ihre Ersparnisse verringern sich rapide und sie müssen, wenn sie keine Arbeit mehr finden, später Sozialhilfe beantragen. Diejenigen die jetzt Kurzarbeit verrichten, sind etwas besser daran. Doch sie stehen unter dem Druck und der Ungewissheit, ob sie wieder voll arbeiten können.


Das Auftauchen dieses heimtückischen Virus ist ein Zeichen von oben und zeigt uns, dass wir Menschen trotz des Fortschrittes auf allen Ebenen, bei solchen unerwarteten Naturkatastrophen, hilflos sind. Wir sind keine Roboter, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen und Ängsten, wir sind hoch sensibel, wenn wir das auch selten zu geben. Wir sind ein Produkt der Natur, der den Naturgesetzen, trotz der enormen Fortschritte in der Technik, immer unterworfen bleibt. Wir wurden geboren und werden sterben, ob arm oder reich.


Nach der Corona-Pandemie gibt es einen Neuanfang für uns die wir glimpflich davon gekommen und gesund geblieben sind. Ein Neuanfang ist eine neue Herausforderung für uns alle. Wir sollten dieses Geschenk vernünftig nützen und unseren Schöpfer danken. Dieser Dank an unserem Herrgott soll bitte keine Eintagsfliege sein.


Werte, die wir früher in die Wiege bekommen haben, die wir später im Religionsunterricht aus der Bibel oder aus dem Katechismus erfahren haben, sollten wieder in den Alltag hineinfließen. Ehrlichkeit, Toleranz, Demut, um nur einige Worte zu nennen. Den anderen zu respektieren und zu achten. Den Gemeinsinn fördern. Für die Nachbarn da zu sein und vieles mehr. Alles was unser Leben lebenswert macht.

Und wenn wir alles überstanden haben, dürfen wir auch wieder feiern. Mit unserer Familie und unseren Freunden werden wir uns zusammensetzen einen Bocksbeutel öffnen, den vorzüglichen Frankenwein einschenken, uns zu prosten, in die Augen schauen, den Wein mit Genuss kosten, danach uns umarmen (weil wir das wieder dürfen) und unseren Herrgott danken.


Anm. 1993, waren meine Frau und ich in Mexico. Ich fing mir am vierten Tag der Reise einen Virus ein, der mein Herz sehr schwächte. Dr. Jesus Villanova, der Chefarzt des St. Lucas Krankenhaus in Merida, rettete mein Leben, nach meinen Herzstillstand. Zwei Krankenschwestern knieten an meinem Bett und beteten für mich. Renate erzählte das mir hinterher. Mit einem Rettungsflug, den Renate mit Absprache mit der Deutschen Rettungsflugwacht organisierte, wurde ich nach Ford Lauderdale (USA) transportiert, wo mich Prof. Dr. Lister, ein Kardiologe deutscher Abstammung, behandelte. Nach vier Wochen konnte ich wieder ausreisen. In Deutschland wurde ich weiter von Herzspezialisten behandelt. Nach einem Jahr war ich wieder gesund. Ich hab also schon Bekanntschaft mit einem tückischen Virus gemacht. Das war eine harte Zeit für mich, wie auch jetzt nach meinen Herzinfarkt im letzten Jahr. Dass ich das alles überstand und wieder fit bin, darüber bin ich sehr dankbar und demütig.

Mit dem mexikanischen Arzt war ich noch lange im brieflichen Kontakt. Das schönste Geschenk machte Dr. Villanova mir, als Uli Hofmann, ein Freund von mir, ihn in Merida (Mexico) persönlich besuchte. Er überreichte Uli ein Päckchen, welches er mir in Sommerhausen überreichte. In diesem Päckchen war ein Porzellanherz mit einem Eisengestell, welches sein Bruder, der eine Künstlerwerkstatt besitzt, extra für mich herstellte. Dieses wertvolle Geschenk steht seitdem auf einer Kommode in unserem Wohnzimmer.