ISEK - Städtebauliches Entwicklungskonzept

Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK)

 

STÄDTEBAUFÖRDERUNG FÜR SOMMERHAUSEN

 

ISEK-BÜRGERBETEILIGUNG AM 23.01.2020

 

 

 

 

Das Interesse war sehr groß! Etliche Tische und Stühle mussten zusätzlich aufgestellt werden, bevor Bürgermeister Steinmann den Abend eröffnen konnte. Es war deutlich: die Sommerhäuser Zukunftsthemen bewegen viele Menschen!

 

Wie schon die Auftaktveranstaltung im Herbst wurde auch diese von Melanie Eisner und Anna Urban von der Firma Klärle begleitet. Eisner stellte ein großes Anliegen an den Beginn: »Kaufen Sie vor Ort, stärken Sie die Grundversorgung!« Sie dankte für die rege Teilnahme an der Fragebogenaktion und wies auf zwei Themen hin, die heute ausgespart blieben: »Jugend« und »Gastronomie«. Ersteres sei bereits am 22.11.19 unter zahlreicher Beteiligung behandelt worden, Letzteres sei Thema für eine künftige Gemeinderatsklausur.

 

Acht Themenbereiche gab es nun, bei denen bürgerschaftliche Vorschläge und Anregungen gefragt waren, aber auch Wünsche durften zur Sprache kommen – nach dem Motto: »Die Gedanken sind frei!« In Tischgruppen mit jeweils ein bis zwei Dutzend Personen wurden die Themen behandelt, anschließend wurden die Ergebnisse dem Plenum vorgestellt.

 

Thema 1 war: Begegnungsmöglichkeiten, ihre Standorte und Nutzergruppen. Mögliche Standorte: Miltenbergerhaus, Baywa-Gelände, Turnhalle, Schule, Schützenhaus, Gemeindezentrum; etliche von diesen erfordern Investitionen zur Nutzbarmachung. Einhellige Meinung war, dass alle Altersgruppen einbezogen sein sollten, vielleicht im Sinne eines Mehrgenerationenprojektes oder einer VHS. Auch die Vereine müssten Räume finden. Die Bücherei wurde als wichtiger integrativer Faktor genannt.

 

Thema 2: Kinderbetreuung, Kindergarten – Neubau oder Generalsanierung? Um diese Frage zu beantworten, sei zunächst eine Prüfung der Bausubstanz erforderlich, wurde festgestellt. Der gegenwärtige Standort sei jedoch in Ordnung. Eine fünfte Kindergartengruppe ist wünschenswert, aber wo? Vielleicht in einem Teil der Egenbergerschule? Oder in einer Art Naturkindergarten (mit Schutzcontainer) beim Wildpark, der abwechselnd von je einer Gruppe belegt werden könnte?

 

Thema 3: Parken und Parksystem im Altort. Ein kompliziertes und kontroverses Thema, wie festgestellt wurde. Es gebe Regelungsbedarf in der Frage, wie man Anwohner dazu anhalten könne, auf ihrem Grundstück oder in ihrer Garage zu parken, falls Möglichkeit vorhanden. Zur Sprache kamen Parkflächen für Anwohner in Altortnähe, aber wo? Hier müsste weitergedacht werden, denn andererseits dürfen nicht Grünflächen (etwa am Main) durch Parkplätze zerstört werden. Fazit als Problemanzeige: es ist wenig Platz vorhanden.

 

Thema 4: Ortsbild, Bauen, Wohnen, Leerstände, Denkmalschutz. Nachgedacht wurde über Anreizstrategien für Eigentümer, die den Verkauf ihrer Immobilie zwar erwägen, aber unterlassen. Gäbe es für sie attraktive Beteiligungsmodelle? Sollte die Gemeinde als Käuferin und Wiederverkäuferin oder Vermieterin auftreten? Daran anschließend die Frage: Wie können Käufer gewonnen werden? Durch steuerliche Vorteile, wenn ein »Sanierungsgebiet« geschaffen würde? Sollte es eine Risikoberatung durch die Gemeinde geben? Weitere Frage: Was ist erhaltenswert? Türme, Pflaster, Fassaden, Farbgebung, das gesamte Weichbild. Gewünscht wird mehr Stadtmöblierung: Bänke, Rastmöglichkeiten und – Mülleimer.

 

Thema 5: Plätze, Straßen und Wege. Die Hauptstraße sollte verkehrsberuhigt sein, und es fehlt hier ein Fußweg, vielleicht auf der Rathausseite; Parken dann auf der anderen Seite? Zu erwägen sind Bäume, Reben oder Blumen. Angemahnt wurden fehlende Fußwegeverbindungen von der Maingasse zum Main sowie an der Tränk. Als Plätze zum Verweilen wurden ausgemacht: Plan, Kirchplatz, Kriegerdenkmal, Miltenbergerhaus sowie längs des Mains. Wie wäre es mit Infotafeln an besonderen Gebäuden? Barrierefreiheit wird benötigt im Rathaus und Miltenbergerhaus. Wie steht es mit Behindertenparkplätzen?

 

Thema 6: Vereine, Veranstaltungen, Kultur. Als Festplätze wurden Plan und Schießplatz genannt, letzterer soll erhalten und aufgerüstet werden (Ausschankmöglichkeit, Sanitär, Wetterfestigkeit). Für Sporteinrichtungen braucht es ein Sanierungskonzept, in diesem Zusammenhang fiel der Hinweis auf mögliche neue Sportarten, die nicht hallengebunden sind. Es braucht Vereinsräume und Archive. Was passiert mit dem Feuerwehrhaus? Die etablierten Veranstaltungen sollen anwohnerfreundlich sein! Galerien dürfen nicht verlorengehen, gleiches gilt für die Gastronomie. Konsens war: Veranstaltungskultur gehört essenziell zu Sommerhausen. Kontrovers: wie touristisch und eventmäßig darf’s sein?

 

Thema 7: Mainlände, Grundausstattung, Gärten. Der Main soll naturnah gestaltet bleiben bzw. werden (als Gegenbeispiel wurde genannt: Randersacker). Eine Verbesserung der Situation an der Badestelle wird gewünscht: Fußweg an der südlichen Abfahrt, Hinweisschild (»spielende Kinder«), Toilette, Feuerwehrzufahrt, Papierkörbe. Badestellen müssten hundefrei sein. Der Skaterplatz sollte aufgewertet werden. Es wurde sich gegen einen reinen Wohnmobilstellplatz ausgesprochen. Könnten Gärten an der hangseitigen Stadtmauer, sofern nicht bewirtschaftet, öffentlich zugänglich werden?

 

Thema 8: Seniorenbetreuung. Die Frage stellte sich, was genau eigentlich unter »Senioren« zu verstehen sei, welche Altersgruppe(n). Erkenntnis: man muss hier differenzieren. Angeregt wurden: ambulant betreute Wohngruppen, Tagespflege (vielleicht mit Einbezug von jungen Menschen?), Mehrgenerationen(wohn)projekte, Begegnungsräume, ein gemeinsamer Mittags(stamm)tisch. Es brauche hier Ansprechpartner und Koordination.

 

Das Klima des gesamten, gesprächsreichen Abends war geprägt von Anteilnahme, Respekt, Dialogbereitschaft und konstruktiver Beteiligung. Und am Ende hatten alle etwas gelernt: über viele Zukunftsthemen und Ideen – und darüber, wie bürgerschaftliches Engagement in Sommerhausen aussieht. So vielversprechend darf die Entwicklung weitergehen!

 

 

Zukunft des Marktes gestalten

Ganzheitliche Entwicklung des Gemeindegebietes

 

Der Markt Sommerhausen wurde in das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm `Städtebaulicher Denkmalschutz´ des Freistaates Bayern aufgenommen. Über den Fördertopf können in den kommenden Jahren Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an privaten und kommunalen Gebäuden sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Sozialkultur und des Wohnumfeldes in Sommerhausen bezuschusst werden.

 

Nach der erfolgreichen Aufnahme Sommerhausens in das Förderprogramm sind nun verschiedene Konzepte durch die Gemeindeverwaltung bei der Regierung von Unterfranken vorzulegen. In den nächsten Monaten wird zunächst durch das beauftragte Planungsbüro Klärle GmbH aus Weikersheim ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet. Das ISEK soll die vorhandenen Strukturen und die Ausgangssituationen in den Bereichen Gebäudesubstanz, Leerstände, Infrastruktur, Städtebau, Sozialraum, Wohnumfeld, Wirtschaft, Nahversorgung und Mobilität im Gemeindegebiet aufzeigen. Zusätzlich wird durch das Büro Dr. Matthias Wieser eine umfassende Bestandsaufnahme zu schützenswerten Objekten und Strukturen der Gemeinde, im Rahmen des kommunalen Denkmalschutzkonzeptes (KDK) erstellt. Des Weiteren werden die Stärken und Schwächen Sommerhausens analysiert, zentrale Entwicklungsziele definiert und erste Maßnahmen zur Umsetzung festgelegt. Das ISEK soll dabei die strukturelle „Ist-Situation“ darstellen und Leitplanken für eine zukunftsfähige Gemeindeentwicklung setzen.

 

Im Rahmen der Bestandsaufnahme werden die Planer der Klärle GmbH von Mitte August bis Mitte September direkt vor Ort die „Ist-Situation“ Sommerhausens erheben und kartieren. Dabei werden sie sich ein Bild von den Bedürfnissen und Möglichkeiten in Sommerhausen machen. Es werden Fotos gemacht und bei Bedarf private Grundstücke betreten.

 

Für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist eine intensive Einbindung und Mitwirkung der Bürgerschaft erforderlich. Hierzu wird voraussichtlich im September eine Infoveranstaltung unter Einbezug der Bürger Sommerhausens stattfinden. In der Veranstaltung werden auch ein Informationsflyer sowie Fragebögen zur Beteiligung ausgeteilt. Im weiteren Projektverlauf sind Arbeitskreissitzungen zu verschiedenen Themenfeldern vorgesehen. Die genauen Termine dieser Veranstaltungen werden vorab bekanntgegeben.

 

Zielsetzung ist ein attraktiver und belebter Markt durch z.B. Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen an leerstehenden oder abbruchreifen Häusern und die Wohnumfeldgestaltung zur Stärkung des Ortskerns. Nur durch die Mitwirkung der Bürgerschaft mit attraktivitätssteigernden Maßnahmen kann das gemeinsame Ziel für eine zukunftsfähige Gemeindeentwicklung des Marktes Sommerhausen gewährleistet werden.

 

Für weitere Informationen zur Stadtsanierung Sommerhausens, dem Bund-Länder-Programm städtebaulicher Denkmalschutz und dem kommunalen Denkmalschutzkonzept stehen die Marktverwaltung Sommerhausen, Herr Dr. Wieser sowie die Planer der Klärle GmbH Frau Eisner und Frau Urban zur Verfügung.

 

Sommerhausen, den 05.08.2019